Kurz gesagt: Die Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) zeigt, wie viele Jahre Sie unfallfrei gefahren sind – je höher die Klasse, desto größer der Beitragsrabatt. Sie lässt sich unter bestimmten Bedingungen übertragen und wird nach einem selbstverschuldeten Schaden um mehrere Klassen zurückgestuft.
Stand: August 2026. Dieser Ratgeber erklärt die SF-Klassen mit Beitragssätzen, zeigt, wie Sie eine SF-Klasse übertragen, was nach einem Unfall passiert und ob sich ein Rabattschutz lohnt.
Was ist die Schadenfreiheitsklasse?
Die Schadenfreiheitsklasse gibt an, wie viele Jahre Sie unfallfrei versichert waren. Je mehr schadenfreie Jahre, desto höher die Klasse und desto niedriger Ihr Beitrag.
Jedes unfallfreie Jahr steigen Sie eine Klasse auf und zahlen einen geringeren Prozentsatz des Grundbeitrags. Getrennt geführt werden die SF-Klassen für Haftpflicht und Vollkasko; für die Teilkasko gibt es keine SF-Klasse.
Wichtig: Die SF-Klasse gehört Ihnen als Person, nicht dem Versicherer. Beim Wechsel nehmen Sie sie deshalb mit – mehr dazu im Ratgeber zum Kfz-Versicherung wechseln.
SF-Klassen und Beitragssätze im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt typische Beitragssätze nach SF-Klasse. Die genauen Prozentwerte legt jeder Versicherer selbst fest, daher sind es Größenordnungen.
| SF-Klasse | Unfallfreie Jahre | Beitragssatz (Größenordnung) |
|---|---|---|
| SF 0 / Sonderklasse | Fahranfänger, Einstieg | ca. 100–260 % |
| SF ½ | Führerschein, erstes Auto | ca. 100–140 % |
| SF 1 | 1 Jahr | ca. 100 % |
| SF 5 | 5 Jahre | ca. 60–70 % |
| SF 10 | 10 Jahre | ca. 40–50 % |
| SF 25 | 25 Jahre | ca. 25–35 % |
| SF 35 und höher | 35+ Jahre | bis ca. 20 % (Rabatt bis ~80 %) |
| SF S / M (nach Rückstufung) | nach Schaden | ca. 150–175 % |
Die Werte sind typische Größenordnungen und unterscheiden sich je nach Versicherer teils deutlich.
Wie kann ich eine SF-Klasse übertragen?
Eine SF-Klasse lässt sich unter bestimmten Bedingungen von einer Person auf eine andere übertragen – am häufigsten von den Eltern auf das Kind oder zwischen Partnern. Der Übernehmende spart dadurch die teuren ersten Jahre.
Es gibt zwei zentrale Bedingungen. Erstens muss meist eine enge Beziehung bestehen, etwa Verwandtschaft oder ein gemeinsamer Haushalt. Zweitens werden nur so viele schadenfreie Jahre übertragen, wie der Übernehmende selbst seit seinem Führerschein hätte fahren können. Wer erst zwei Jahre den Führerschein hat, kann also nicht 20 SF-Jahre übernehmen, sondern höchstens zwei.
Der abgebende Fahrer verliert seine übertragenen Jahre und muss selbst neu aufbauen, falls er wieder ein eigenes Fahrzeug versichert. Diese Übertragung ist gerade für Fahranfänger ein starker Spar-Hebel – mehr dazu im Ratgeber zur Kfz-Versicherung für Fahranfänger.
Faustregel: Übertragen wird nur, was der Übernehmende selbst hätte ansammeln können – nicht die volle Klasse des Abgebenden.
Was passiert mit meiner SF-Klasse nach einem Unfall?
Nach einem selbstverschuldeten Schaden werden Sie zurückgestuft – meist um mehrere Klassen auf einmal. Ihr Beitrag steigt dadurch im Folgejahr spürbar.
Wie stark die Rückstufung ausfällt, legt jeder Versicherer selbst fest und hängt von Ihrer bisherigen Klasse ab. Ein einzelner Schaden wirft Sie oft um mehrere Stufen zurück; nach einem Schaden aus einer niedrigen Klasse landen Sie in den Sonderklassen S oder M mit rund 150 bis 175 Prozent Beitragssatz. Die Höhe des Schadens spielt für die Rückstufung übrigens keine Rolle, nur die Tatsache des regulierten Schadens.
Deshalb kann es sich bei kleinen Schäden lohnen, den Betrag selbst zu zahlen, statt die Versicherung in Anspruch zu nehmen – die Rückstufung kostet über die Jahre oft mehr als der Schaden selbst.
Faustregel: Bei kleinen Schäden gegenrechnen: Ist der Schaden niedriger als der Mehrbeitrag durch die Rückstufung über die nächsten Jahre, zahlen Sie besser selbst.
Lohnt sich ein Rabattschutz oder Schadenrückkauf?
Ein Rabattschutz sorgt dafür, dass Ihre SF-Klasse nach dem ersten Schaden pro Jahr nicht zurückgestuft wird. Er kostet Aufpreis und lohnt sich vor allem in hohen Klassen mit viel Rabatt.
Der Schadenrückkauf ist die nachträgliche Variante: Sie zahlen den regulierten Schaden nach dem Jahr zurück und vermeiden so die Rückstufung. Das lohnt sich, wenn der Mehrbeitrag durch die Rückstufung über die Jahre höher wäre als die Rückkaufsumme.
Beide Optionen sind eine Wette auf Ihre bisherige Klasse: Je höher Ihr Rabatt, desto mehr schützt der Rabattschutz. In niedrigen Klassen mit wenig Rabatt bringt er entsprechend wenig.
Wie sehe ich meine aktuelle SF-Klasse?
Ihre aktuelle SF-Klasse steht auf Ihrer letzten Beitragsrechnung oder in Ihren Vertragsunterlagen. Viele Versicherer zeigen sie auch im Online-Kundenportal an.
Wenn Sie noch nie einen Schaden gemeldet haben, können Sie Ihre Klasse grob selbst abschätzen: Ziehen Sie von der Zahl Ihrer unfallfreien Jahre eins ab. Nach fünf unfallfreien Jahren sind Sie also meist in SF 4.
Getrennt geführt werden die Klassen für Haftpflicht und Vollkasko – prüfen Sie also beide Werte, wenn Sie eine Vollkasko haben.
Nächster Schritt: Schauen Sie auf Ihrer letzten Beitragsrechnung nach Ihrer SF-Klasse und Ihrem Beitragssatz. Beides brauchen Sie, wenn Sie den Beitrag vergleichen oder wechseln wollen.
Hinweis: Die Beitragssätze sind typische Größenordnungen (Stand August 2026) und werden von jedem Versicherer eigenständig festgelegt.
Häufige Fragen zur Schadenfreiheitsklasse
Was bedeutet die Schadenfreiheitsklasse?
Sie gibt an, wie viele Jahre Sie unfallfrei versichert waren. Je höher die Klasse, desto höher Ihr Rabatt und desto niedriger Ihr Beitrag. Geführt wird sie getrennt für Haftpflicht und Vollkasko, für Teilkasko gibt es keine SF-Klasse.
Wie viel Prozent spare ich in welcher SF-Klasse?
Der Beitragssatz sinkt mit steigender Klasse: von rund 100 Prozent in SF 1 bis auf etwa 20 Prozent in den höchsten Klassen, was einem Rabatt von bis zu rund 80 Prozent entspricht. Die genauen Prozentwerte legt jeder Versicherer selbst fest.
Kann ich eine SF-Klasse von meinen Eltern übernehmen?
Unter Bedingungen ja: meist bei Verwandtschaft und begrenzt auf so viele Jahre, wie Sie selbst seit dem Führerschein hätten fahren können. Der abgebende Elternteil verliert die übertragenen Jahre. Für Fahranfänger ist das ein starker Spar-Hebel.
Um wie viele Klassen werde ich nach einem Unfall zurückgestuft?
Das legt jeder Versicherer selbst fest, oft sind es mehrere Klassen auf einmal. Aus niedrigen Klassen landen Sie nach einem Schaden in den Sonderklassen S oder M mit rund 150 bis 175 Prozent Beitragssatz. Die Schadenhöhe spielt für die Rückstufung keine Rolle.
Sollte ich kleine Schäden selbst zahlen?
Oft ja. Wenn der Schaden niedriger ist als der Mehrbeitrag, den die Rückstufung über die nächsten Jahre verursacht, zahlen Sie besser selbst. Rechnen Sie beide Beträge gegeneinander, bevor Sie den Schaden melden.
Lohnt sich ein Rabattschutz?
Vor allem in hohen SF-Klassen mit viel Rabatt, weil dort eine Rückstufung besonders teuer wäre. In niedrigen Klassen mit wenig Rabatt bringt er entsprechend wenig. Er kostet Aufpreis und ist damit eine Abwägung nach Ihrer aktuellen Klasse.
Wo sehe ich meine aktuelle SF-Klasse?
Auf Ihrer letzten Beitragsrechnung, in den Vertragsunterlagen oder im Online-Kundenportal Ihres Versicherers. Bei einer Vollkasko prüfen Sie beide Werte, da Haftpflicht und Vollkasko getrennt geführt werden.




