Reifen wechseln: Anleitung in 8 Schritten (mit Drehmoment)

Lernen Sie schnell und einfach, wie Sie Ihre Reifen selbst wechseln können. Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Reifen wechseln hilft Ihnen dabei.

Kurz gesagt: Reifen wechselst du in acht Schritten – aufbocken, Radschrauben über Kreuz lösen, Rad tauschen und mit dem passenden Drehmoment (meist 80–160 Nm) wieder festziehen. Danach ziehst du nach 50 bis 100 Kilometern nach. Mit Wagenheber, Radkreuz und Drehmomentschlüssel gelingt der Radwechsel sicher zu Hause. Den genauen Nm-Wert findest du in der Betriebsanleitung.

Stand: Juni 2026. Diese Anleitung führt dich Schritt für Schritt durch den Radwechsel – rechtzeitig vor der Winterreifen-Saison, die nach der Faustregel „von O bis O“ (Oktober bis Ostern) startet.

Kurz zur Einordnung: Reifen wechseln meint im Alltag meist das Umstecken der kompletten Sommer- oder Winterräder. Das eigentliche Aufziehen neuer Reifen auf die Felge inklusive Wuchten übernimmt dagegen die Werkstatt.

Welches Werkzeug brauchst du zum Reifenwechsel?

Für den Radwechsel brauchst du nur eine Handvoll Werkzeuge. Entscheidend ist der Drehmomentschlüssel – ohne ihn lässt sich der vorgeschriebene Wert nicht sicher einhalten.

  • Wagenheber – am besten der zum Fahrzeug passende oder ein stabiler Rangierwagenheber
  • Radkreuz zum Lösen und Vorspannen der Schrauben
  • Drehmomentschlüssel für das exakte Anzugsmoment
  • Unterstellbock als Sicherung gegen Abrutschen
  • Drahtbürste zum Reinigen der Auflagefläche an der Nabe
  • Handschuhe, Warnweste und ein Stück Pappe als Unterlage

Ein Drehmomentschlüssel für den Privatgebrauch kostet rund 30 bis 50 Euro. Das Bordradkreuz erreicht laut reifen-vor-ort.de (2026) nur etwa 80 bis 110 Nm – für viele Kleinwagen reicht das, bei SUV wird es deutlich zu wenig.

Welche Reifendimension zu deinem Auto gehört, steht übrigens in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 – mehr dazu in unserem Ratgeber zu Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief.

Wie wechselst du die Reifen in 8 Schritten?

Der Radwechsel folgt immer derselben Reihenfolge: erst lösen, dann aufbocken, tauschen und mit Drehmoment festziehen. Halte dich an diese acht Schritte.

  1. Vorbereiten: Stell das Auto auf ebenem, festem Untergrund ab, zieh die Handbremse an und leg einen Gang bzw. Stufe „P“ ein. Räder und Werkzeug bereitlegen.
  2. Schrauben lösen: Löse die Radschrauben über Kreuz um eine Vierteldrehung – solange das Rad noch am Boden steht, sonst dreht es mit.
  3. Aufbocken: Setz den Wagenheber am vom Hersteller vorgesehenen Aufnahmepunkt an und hebe das Rad frei. Sichere zusätzlich mit einem Unterstellbock.
  4. Rad abnehmen: Dreh die Schrauben ganz heraus und zieh das Rad ab. Reinige die Auflagefläche an der Nabe von Rost und Schmutz.
  5. Neues Rad aufsetzen: Achte bei laufrichtungsgebundenen Reifen auf den Richtungspfeil und setz das Rad mittig auf die Zentrierung.
  6. Handfest anziehen: Dreh alle Schrauben zuerst von Hand über Kreuz ein, bis sie handfest sitzen.
  7. Ablassen und festziehen: Lass das Auto ab und zieh die Schrauben mit dem Drehmomentschlüssel über Kreuz auf den Sollwert – erst etwa halb, dann voll, bis es klickt.
  8. Nachkontrolle: Prüf den Reifendruck, lerne bei Bedarf das RDKS neu an und zieh nach 50 bis 100 Kilometern noch einmal nach.

Wichtigster Punkt: Lösen und endgültiges Festziehen passieren immer, wenn das Rad Bodenkontakt hat. Im aufgebockten Zustand ziehst du nur handfest an.

Mit welchem Drehmoment ziehst du die Radschrauben an?

Das richtige Drehmoment liegt bei den meisten Pkw zwischen 80 und 160 Nm, bei schweren SUV und Transportern bis 200 Nm. Der exakte Wert steht in der Betriebsanleitung, im Felgengutachten oder der ABE.

FahrzeugklasseDrehmoment-Richtwert
Kleinwagenca. 80–110 Nm
Kompakt- und Mittelklasseca. 110–130 Nm
Obere Mittel-/Oberklasseca. 130–160 Nm
SUV, Van, Transporterca. 120–200 Nm

Das sind Richtwerte laut motointegrator.de (2025) und reifensuchmaschine.de. Alufelgen liegen meist 10 bis 20 Nm über Stahlfelgen (reifen-vor-ort.de, 2026). Verbindlich ist immer die Herstellerangabe für dein Fahrzeug.

Faustregel: Schätz das Drehmoment nie „aus dem Gefühl“. Zu locker, und das Rad kann sich lösen; zu fest, und Gewinde oder Felge nehmen Schaden.

In welcher Reihenfolge ziehst du die Schrauben an?

Zieh die Schrauben immer über Kreuz an, nicht der Reihe nach. So legt sich die Felge gleichmäßig auf die Nabe.

Bei vier Schrauben arbeitest du diagonal (1 → 3 → 2 → 4), bei fünf Schrauben im Sternmuster (1 → 3 → 5 → 2 → 4). Angezogen wird bei modernen Autos im Uhrzeigersinn, gelöst dagegen. Entspann den Drehmomentschlüssel nach Gebrauch auf die kleinste Stufe, sonst verliert die Feder an Präzision.

Welche Fehler solltest du beim Reifenwechsel vermeiden?

Die meisten Probleme entstehen durch vermeidbare Fehler beim Anziehen und Nachziehen. Wer sie kennt, wechselt sicher.

  • Schrauben aufgebockt lösen: Das Rad dreht mit – immer bei Bodenkontakt lösen und festziehen.
  • Nicht über Kreuz anziehen: Das Rad zentriert sich nicht sauber und kann sich verziehen.
  • Drehmoment aus dem Gefühl: Ohne Drehmomentschlüssel wird es fast immer zu fest oder zu locker.
  • Nachziehen vergessen: Nach 50 bis 100 Kilometern ist das Nachziehen Pflicht, nicht Kür.
  • Nabe nicht gereinigt: Rost und Schmutz verhindern, dass das Rad gleichmäßig aufliegt.

Der beste Zeitpunkt für eine gründliche Felgenreinigung ist genau jetzt, beim Wechsel – dann kommst du an jede Stelle. Passende Mittel findest du in unserem Felgenreiniger-Test.

Wann solltest du besser in die Werkstatt?

In die Werkstatt gehörst du, wenn dir sicheres Werkzeug oder ein fester Untergrund fehlt – oder wenn das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) Probleme macht. Auch neue Reifen aufziehen und wuchten ist Werkstattsache.

Seit November 2014 haben Neuwagen ein RDKS. Nach dem Radwechsel musst du die Sensoren oft neu anlernen; klappt das nicht über den Bordcomputer oder ist ein Sensor defekt, hilft die Werkstatt.

Ebenfalls ein Fall für den Profi: Alufelgen mit Felgensicherung ohne passenden Adapter und Fahrzeuge, bei denen du dir beim Aufbockpunkt unsicher bist. Was der Wechsel in der Werkstatt kostet, zeigt unser Überblick zu den Reifenwechsel-Kosten.

Jetzt loslegen: Leg dir Wagenheber, Radkreuz und einen Drehmomentschlüssel bereit, schlag den Nm-Wert in deiner Betriebsanleitung nach und arbeite die acht Schritte der Reihe nach ab. Plane den Wechsel am besten früh im Oktober ein, bevor der erste Frost kommt und die Werkstätten ausgebucht sind.

FAQ

Kann ich meine Reifen selbst wechseln?

Ja, das Umstecken der kompletten Sommer- oder Winterräder kannst du mit etwas Übung selbst erledigen. Nötig sind ein Wagenheber, ein Radkreuz und ein Drehmomentschlüssel. Neue Reifen auf die Felge ziehen und wuchten übernimmt dagegen die Werkstatt.

Mit welchem Drehmoment muss ich die Radschrauben anziehen?

Das Drehmoment liegt bei den meisten Pkw zwischen 80 und 160 Nm, bei schweren SUV und Transportern bis 200 Nm. Kleinwagen liegen eher bei 80 bis 110 Nm, Alufelgen etwas höher als Stahlfelgen. Den exakten Wert findest du in der Betriebsanleitung oder im Felgengutachten.

In welcher Reihenfolge ziehe ich die Radschrauben an?

Ziehe die Schrauben immer über Kreuz an, nie der Reihe nach. Bei vier Schrauben arbeitest du diagonal, bei fünf im Sternmuster. So legt sich die Felge gleichmäßig auf die Nabe und zentriert sich sauber.

Muss ich die Radschrauben nachziehen, und wann?

Ja, das Nachziehen ist aus Sicherheitsgründen Pflicht. Zieh die Schrauben nach 50 bis 100 gefahrenen Kilometern noch einmal mit dem Drehmomentschlüssel über Kreuz nach. Bei Anhängerbetrieb oder Vollbeladung schon nach 30 bis 50 Kilometern.

Was ist der Unterschied zwischen Reifen wechseln und Räder umstecken?

Räder umstecken bedeutet, die kompletten Sommer- oder Winterräder zu tauschen – das kannst du selbst. Reifen wechseln im engeren Sinn heißt, einen neuen Reifen auf die Felge zu ziehen und zu wuchten. Das übernimmt die Werkstatt mit Spezialmaschinen.

Muss ich nach dem Radwechsel das RDKS anlernen?

Bei vielen Fahrzeugen müssen die RDKS-Sensoren nach dem Wechsel neu angelernt werden. Oft geht das über den Bordcomputer oder stellt sich nach einigen Kilometern Fahrt automatisch ein. Klappt es nicht oder ist ein Sensor defekt, hilft die Werkstatt.

Wann sollte ich den Reifenwechsel lieber der Werkstatt überlassen?

Überlass den Wechsel der Werkstatt, wenn dir sicheres Werkzeug oder ein fester, ebener Untergrund fehlt. Auch defekte RDKS-Sensoren, Felgensicherungen ohne Adapter oder Unsicherheit beim Aufbockpunkt sprechen für den Profi. Sicherheit geht hier klar vor Ersparnis.

Gratis: Notfallkarte fürs Auto

Die 6 Schritte bei einer Panne + alle wichtigen Nummern zum Ausdrucken. Kostenlos.

Teile mich!